Didaktisierung zu Novemberkind (C 1+-Niveau)

 © Dr M. Malakooti (GI, München)

 

1) Sehen Sie sich die folgenden Bilder aus dem Film an: (Bilder von Wegen/Schienen/Motorrad aus der Didaktisierung unter www.novemberkind.de für Deutschlehrer für deutsche Muttersprachler)

 

  

 

Mit was für einem Film, was für einem Filmgenre könnten wir es hier zu tun haben? Was könnte ein Thema eines solchen Films sein?

Spekulieren Sie!

 

 

2) In dem Film sehen wir immer wieder die Personen am, auf und im Wasser.

Wofür kann Wasser als Symbol stehen? Kennen Sie Ausdrücke/Wendungen mit dem Wort Wasser? Sammeln sie:

 

 

 

                                        Wasser

 

  

 

3) „Das Politische ist persönlich, das Persönliche ist politisch“

Diskutieren Sie: Wie verstehen Sie diesen Slogan aus den 70er Jahre?

Können Sie vielleicht ein Beispiel aus Ihrem eigenen Leben geben?

 

 

4) Lesen Sie folgende Hintergrundsinformationen zu dem Film. Berichten Sie dann darüber in einer anderen Gruppe und sammeln Sie die Informationen der anderen Teilnehmer für ihre eigene Gruppe.

(Wirbelgruppen)

 

 

 

Gründung der BRD/DDR

 

Nach dem 2.Weltkrieg wurde Deutschland in vier Besatzungszonen eingeteilt.

Sie wurden jeweils von der sowjetischen, der amerikanischen, der englischen und der französischen Besatzungsmacht kontrolliert. Oberstes Regierungsorgan war  der Alliierte Kontrollrat, dem alle vier Besatzungsmächte angehörten, bis  die Sowjetunion 1948 den Kontrollrat verließ. In den einzelnen Besatzungszonen wurden Länder als handlungsfähige Staatseinheiten gebildet und deutsche Regierungen eingesetzt.

Im Frühjahr 1949 beschlossen die Westmächte (GB,F,USA) gegen den Widerstand der Sowjetunion ein Provisorium für Westdeutschland zu schaffen. Die Ministerpräsidenten der 11 deutschen Länder arbeiteten eine Verfassung mit föderativer Regierungsform aus (das Grundgesetz). Im Mai 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland (BRD) auf der Grundlage der freiheitlichen Demokratie gegründet. Im August 1949 wurde der erste Bundestag (das Parlament) gewählt.

Zur gleichen Zeit wie in Westdeutschland wurde in der Sowjetischen Zone ein Separatstaat gebildet, die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Auch hier wurde eine Verfassung ausgearbeitet. Laut Verfassung bekam das Volk die Macht, aber die eigentliche Macht lag bei der Sozialistischen Einheitspartei (die SED), die nach kommunistischem Vorbild arbeitete. Der erste Parteichef,  Walter Ulbrich, besetzte schrittweise alle Schlüsselpositionen in Partei und Staat. 

Anstelle eines Deutschlands gab es nun zwei deutsche Staaten mit gegensätzlicher politischer Ordnung und unterschiedlichen Wirtschaftssystemen.

 

Bau der Mauer

 

Die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten waren nicht gut. Es gab keine diplomatischen Beziehungen.  Unter dem politischen und wirtschaftlichen Druck flohen zwischen 1949 und 1961 über 2 Millionen Menschen aus der DDR. Insbesondere der Verlust von Fachkräften und Wissenschaftlern traf die DDR-Ökonomie hart.

Am 13.August 1961 wurde in einer nächtlichen Überraschungsaktion der Ostsektor Berlins durch Stacheldraht von den drei Westsektoren abgegrenzt. Der Stacheldraht wurde bald durch die Mauer ersetzt. Die gesamte DDR wurde wenig später durch diese Grenze aus Stacheldraht, Minen und Wachtürmen von der BRD abgetrennt. Die DDR-Soldaten erhielten Schießbefehl. Der große Flüchtlingsstrom von Ost nach West war damit unmöglich geworden. Es kam anschließend nur noch zu wenigen Fluchtversuchen aus der DDR. Diese Versuche hießen in der DDR Republikflucht.

 

Ausreiseantrag

 

Alle Mitgliedsstaaten der UNO und Vertragspartner der KSZE (= Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) verpflichten sich, den Bürgern ihrer Länder die Reisefreiheit zu erlauben. Die DDR-Bürger besaßen aber kein Recht frei zu reisen, wohin sie wollten,  obwohl die DDR nach 1973 Mitglied der UNO und Vertragspartner der KSZE war. Mehr als 250 000 Personen in der DDR stellten deshalb einen Antrag auf ständige Ausreise. Das heißt, sie wollten die DDR verlassen. Wer so einen Ausreiseantrag stellte, musste oft viele Jahre auf die Ausreise warten und hatte in der Zwischenzeit mit vielen Nachteilen im täglichen Leben zu kämpfen (z.B. schlechte Arbeitsplätze, kein Recht auf einen Studienplatz, ständige Beobachtung durch den Geheimdienst).

 

Republikflucht

 

Republikflucht hieß das illegale Verlassen der DDR/die Flucht aus der DDR. Das war in der DDR Staatsverrat. Trotzdem flohen mehr als drei Millionen Menschen aus der DDR. Die meisten verließen illegal die DDR  noch vor dem Bau der Berliner Mauer im August 1961. Nach dem Bau der Mauer konnten bis September 1989 nur noch etwa 95 000 DDR-Bürger/innen fliehen, die meisten davon noch im Jahr 1961.

Versuche zu fliehen gab es nach dem Bau der Mauer:

durch Tunnelsysteme zwischen Ost- und Westberlin

über die Luft mit Flugzeugen oder Heißluftballons

über das Wasser mit Booten (z.B. über die Ostsee) oder schwimmend (Fluss)

über die Transitautobahn in die BRD mit Hilfe von umgebauten Autos

über Umwege durch sozialistische Nachbarländer (z.B. die Tschechoslowakei),  für die kein Visum nötig war.

Für hohe Geldsummen halfen sogenannte Fluchthelfer den Menschen mit Transportmitteln und gefälschten Pässen bei der Organisation ihrer Flucht.

Die große Zahl der Flüchtlingsbewegungen durch benachbarte sozialistische Länder  im Herbst 1989 (allein im November 1989 ungefähr flohen 130 000 Menschen, v.a. über Ungarn) führte zum Zusammenbruch des Regimes in der DDR.

 

 

 

Zwangsadoptionen

 

Menschen, die die DDR illegal zu verlassen versuchten, waren Republikflüchtlinge und Staatsverräter. Sie wurden hart bestraft, wenn ihnen die Flucht nicht gelang. Aber auch die Familien von - erfolgreichen oder gescheiterten- Republikflüchtlingen wurden bestraft. Das sollte die DDR-Bürger/innen davon abhalten zu fliehen. Im Dezember 1975 deckte ein Journalist des westdeutschen Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL eine besonders grausame und menschenrechtsverletzende Methode auf, wie Flüchtlinge in der DDR bestraft wurden:

Wenn Eltern ihre Kinder bei der Flucht ihre Kinder zurück lassen mussten oder wenn die ganze Familie beim Fluchtversuch verhaftet wurde, dann konnten die Kinder gegen den Willen der Eltern zur Adoption an „gute“, also regimetreue DDR-Bürger/innen frei gegeben werden.  Staatsverräter waren keine verantwortungsbewussten Eltern, das war die Meinung des DDR-Regimes.

Die Kinder der Flüchtlinge wurden von linientreuen sozialistischen Familien adoptiert und im Sinne des Regimes erzogen.

 

 

 

 

Die zwei Hauptpersonen des Films:

 

Inga, 27 Jahre alt, geboren 1979 in Malchow, einem kleinen Ort in Mecklenburg, wo sie auch aufgewachsen ist und immer noch lebt.

Ihre Mutter soll kurz nach ihrer Geburt in der Ostsee ertrunken sein. Sie weiß nicht, wer ihr Vater ist. Inga ist bei ihren Großeltern aufgewachsen. Sie arbeitet in der Bibliothek von Malchow. Vor kurzem ist sie in eine eigene Wohnung gezogen. Sie möchte etwas unabhängiger von den Großeltern sein, kümmert sich aber noch täglich um sie, denn der Großvater ist krank.

 

Robert von der Mühlen ist Professor für Kreatives Schreiben an der Universität Konstanz. Er ist Anfang 50 und schreibt an seinem ersten Roman. Der Roman basiert auf der Geschichte einer seiner ehemaligen Studentinnen: Sie hat 1979 ihr Baby bei den Eltern zurück gelassen, um mit einem jungen russischen Deserteur aus der DDR in die BRD zu flüchten. An der Trennung ist sie zerbrochen. Robert macht sich auf die Suche nach ihrem Kind, dessen Geschichte er schreiben möchte

 

Weitere Personen des Films:

Anna, Ingas Mutter

Ingas Großeltern (= die Eltern von Anna)

Juri, ein ehemaliger russischer Deserteur, der aus der DDR in die BRD geflohen

           ist.

Alexander, Annas erster Freund und Ingas Vater, der mit seinen Eltern als

           junger Mann die DDR verlassen hat, um in der BRD zu leben.

Steffi, Ingas beste Freundin, die einen Job in Süddeutschland annimmt, später

          aber wieder nach Malchow zurück kommt

Claire, Roberts Frau oder Freundin

 

 

 

 

Während des Sehens:

 

Bitte machen Sie sich während des Sehens zu folgenden Fragen Notizen

 

1) Warum sucht Robert Inga?

 

 

2) Wie ist Ingas Leben in Malchow bevor sie Robert trifft?

 

 

 

3) Warum kann Anne ihr Baby nicht auf die Flucht mitnehmen?

 

 

 

4) Warum flieht Anne wohl ohne ihr Baby?

 

 

 

5) Wie verlassen Anne und Juri die DDR?

 

 

 

6) Wie haben Alexander und seine Eltern die DDR verlassen?

 

 

 

7) Im Film fällt der Satz:

   „Man weiß doch gar nicht, was da passiert ist, da drüben“

 

    Worauf bezieht sich hier die Präposition „drüben“?

 

 

 

8) Warum haben Annes Eltern nicht auf ihre Briefe geantwortet? Wie war die

     Situation der Großeltern? Was haben sie getan, nachdem Anne in die BRD

     geflohen war?

 

 

 

 

 

9) Folgende Personen brechen im Film zu einer Reise ins Unbekannte auf.

    Notieren Sie in Stichworten, welche Gründe/Ziele, die Personen haben:

   (vgl. www.novemberkind.de)

Inga

 

Robert

 

Anne

 

Juri

 

Alexander

 

Steffi (Ingas Freundin)

 

Claire (Roberts Frau/Freundin)

 

 

 

 

Nach dem Sehen (Hausaufgabe):

 

Im Film Novemberkind geht es um die deutsche Teilung und deren

Konsequenzen für das persönliche Leben der Menschen.

Drei zentrale Themen gibt es (nicht nur in diesem Film über die deutsche

Teilung!) bei der Auseinandersetzung mit dieser Problematik:

 

Lüge                             Schuld                                       Identität

 

 

Diese Schlagworte hat sich der Professor Robert von der Mühle, eine der Hauptpersonen des Films, an die Wand geklebt. Sie sind „der rote Faden“ seines ersten Romans, an dem er gerade schreibt.

 

Notieren Sie sich:

 

Wer lügt wen an?                                           Welche Lüge?

 

 

 

Wer wird schuldig?                              An wem?                                 Warum?

 

 

 

 

 

Wer hat Probleme mir                         Warum?

seiner Identität?           

 

 

 

Nach dem Sehen:

 

3 Stationen für: Einzelarbeit (4 Plätze), Partnerarbeit (2 Partnerteams A+B), Gruppenarbeit (zwei 5er Gruppen A+B).

(evtl.+ Zeitvorgabe)

Nach der jeweiligen Arbeit werden die TN an den jeweiligen Tischen weiterverwiesen zu einer anderen Arbeitsform (alle TN müssen also mindestens einmal jeweils allein, mit einem Partner oder in der Gruppe arbeiten)

 

Die Aufgaben an den Stationen für Einzelarbeit sind immer schriftliche Arbeiten

(Wörterbücher bereit legen oder mitbringen lassen!) und können auch als Hausaufgabe aufgegeben werden.

 

Einzelarbeiten

1)  Inga erfährt, dass Anne ihren Eltern aus Konstanz nach Malchow

     geschrieben hat, aber die Eltern haben den Brief ungeöffnet zurück

     geschickt.

     Schreiben Sie den Brief Annes an ihre Eltern.

     

2)  Als die Fluchthelfer kommen, hat Inga Fieber. Anne will ihr Baby nicht

      zurück lassen,  aber sie kann das Baby aber auch nicht krank mitnehmen und

      Juri will nicht ohne Anne gehen. Was denkt Anne in diesem Moment?

      Schreiben Sie einen innere Monolog:

     

3)  Die Begegnung mit Inga bringt für Juri die Vergangenheit zurück.

     Was denkt Juri, nachdem Inga da erste Mal zu ihm gekommen ist?

      Schreiben Sie einen inneren Monolog.

 

 

 

4)   Kreuzen sie an: Wie fanden Sie im Film

 

                                               sehr gut          gut      in Ordnung      mittelmäßig     schlecht

Dialoge

 

Kamera

    

schauspielerische

             Leistung

     

Thematik

    

Spannung

     

Tempo

     

Emotionale Wirkung

     

Gesamteindruck

    

 

Schreiben Sie nun eine Filmkritik zu „Novemberkind“ unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte. Geben Sie am Ende eine Empfehlung ab.

 

  

Partnerarbeit A

 

1A) Erklären Sie folgende Wendungen mit dem Wort „Wasser“

 

sich frei schwimmen

das Wasser steht einem bis zum Hals

ins kalte Wasser springen

nah am Wasser gebaut haben

ins Wasser gehen

 

Erklärungen (ordnen Sie zu):

 

extreme Schwierigkeiten haben

Selbstmord begehen, indem man sich in eine See, Fluss oder Meer ertränkt

unvorbereitet etwas Neues beginnen

leicht/oft weinen

sich von etwas befreien

 

2A) Vor dem Sehen haben Sie schon Assoziationen zur symbolischen

       Bedeutung von Wasser gesammelt. Sehen Sie sich nun die folgenden

       Standfotos aus dem Film an. Erzählen/Notieren Sie kurz, worum es in der

       Szene geht und welche Bedeutung das Wasser hier haben könnte. (aus:

       www.novemberkind.de)

 

3A) Inga urteilt oft vorschnell über ihre Mutter. Im Laufe des Films muss sie

       daher immer wieder das Bild korrigieren, dass sie sich von Anna gemacht

       hat.

       Tauschen Sie sich aus und notieren Sie:

 

       Was denkt Inga zuerst über Annes Flucht?

   

   

       Was denkt Inga über Annes Entscheidung, bei Alexander zu bleiben?

   

 

       Was weiß sie am Ende über ihre Mutter?

 

 

4A) Schreiben und spielen Sie das Gespräch zwischen den Großeltern auf,

       nachdem sie erfahren haben, dass Anne in der Bundesrepublik ist.

     

 

5A) Christian Schwochow selber und auch die Schauspieler, die Inga und

      Alexander spielen, kommen ursprünglich aus Ostdeutschland, also der

      früheren DDR.

      Hören/sehen Sie sich die folgenden kurzen Interviews mit ihnen auf der

      DVD („Making of...“) an.

      Was für eine Rolle spielt ihre Herkunft heute für sie? In welchem Bezug

      stehen Heimat und Identität für sie?

 

Partnerarbeit B

 

1B) Füllen Sie die Lücken mit dem richtigen Nomen:

 

Anne und  Alexander sind verliebt und Anne, gerade 17 Jahre alt, wird von Alexander schwanger.

Bevor das Kind geboren wird, reist Alexander aber mit seinen Eltern in die BRD aus (Alexanders Eltern hatten einen ______________ gestellt). 

Einige Monate nach der ________ des Kindes ( Inga) kommt Anne auf der Straße in eine ________________ . Sie hört, dass man einen russischen Soldaten sucht, der desertiert ist. Kurz darauf entdeckt sie den jungen ________ im Keller ihres Hauses. Sie versteckt ihn (Juri) und die beiden verlieben sich.

Um den Soldaten zu retten, sendet Anne eine heimliche ___________ an Alexander: Sie sagt ihm, sie wolle mit dem Baby zu ihm in den ________ kommen, aber ein junger russischer Deserteur müsse auch noch mitgenommen werden.

Sie sagt nicht, dass sie den Soldaten liebt.

Alexander ist überglücklich und organisiert die ________ .

Aber als die ___________ kommen, um die drei abzuholen, hat Inga Fieber. Anne weiß, dass das Baby mit Fieber nicht betäubt werden kann. Im ____________ eines Wagens versteckt und betäubt würde das Baby sterben. Anne will nicht fliehen aber Juri weigert sich ohne sie zu gehen. Anne muss wählen: Juris ________ oder Inga zurück lassen. Sie bringt Inga zu ihren Eltern und sagt, dass sie nur schnell zur __________ gehe, um Medizin für das Baby zu kaufen.

Die Flucht gelingt. Weil Alexander Anne verspricht, dass Baby nachzuholen, verlässt sie schließlich Juri, obwohl sie ihn liebt. Und bleibt bei Alexander.

Alle __________, das Baby nachzuholen scheitern. ________an Annes Eltern kommt ungeöffnet zurück. Annes Eltern behalten Inga. Anne sieht ihr Baby nie wieder. Sie versucht, die ____________ zu verarbeiten, indem sie darüber schreibt und besucht an der ___________ einen Kurs in kreativem Schreiben bei Professor Robert von der Mühle. Aber Anne kann mit dem __________ ihres Kindes nicht leben, sie wird depressiv, versucht _____________ zu begehen und kommt schließlich in eine psychatrische ____________. Nach fünf Jahren dort gelingt es ihr in einem unbeaufsichtigten ___________ Selbstmord zu begehen. Es ist das Jahr 1988.

Nomen:

Moment - Fluchthelfer – Tod – Verlust – Ereignisse – Selbstmord – Flucht – Deserteur – Geburt – Westen – Polizeisperre -  Versuche – Nachricht – Kofferraum – Ausreiseantrag – Post – Universität – Apotheke - Anstalt

 

 


 

Lösung:

Anne und  Alexander sind verliebt und Anne, gerade 17 Jahre alt, wird von Alexander schwanger.

Bevor das Kind geboren wird, reist Alexander aber mit seinen Eltern in die BRD aus (Alexanders Eltern hatten einen Ausreiseantrag gestellt).  

Einige Monate nach der Geburt des Kindes ( Inga) kommt Anne auf der Straße in eine Polizeisperre. Sie hört, dass man einen russischen Soldaten sucht, der desertiert ist. Kurz darauf entdeckt sie den jungen Deserteur im Keller ihres Hauses. Sie versteckt ihn (Juri) und die beiden verlieben sich.

Um den Soldaten zu retten, sendet Anne eine heimliche Nachricht an Alexander: Sie sagt ihm, sie wolle mit dem Baby zu ihm in den Westen kommen, aber ein junger russischer Deserteur müsse auch noch mitgenommen werden.

Sie sagt nicht, dass sie den Soldaten liebt.

Alexander ist überglücklich und organisiert die Flucht.

Aber als die Fluchthelfer kommen, um die drei abzuholen, hat Inga Fieber. Anne weiß, dass das Baby mit Fieber nicht betäubt werden kann. Im Kofferraum eines Wagens versteckt und betäubt würde das Baby sterben. Anne will nicht fliehen aber Juri weigert sich ohne sie zu gehen. Anne muss wählen: Juris Tod oder Inga zurück lassen. Sie bringt Inga zu ihren Eltern und sagt, dass sie nur schnell zur Apotheke gehe, um Medizin für das Baby zu kaufen.

Die Flucht gelingt. Weil Alexander Anne verspricht, dass Baby nachzuholen, verlässt sie schließlich Juri, obwohl sie ihn liebt. Und bleibt bei Alexander.

Alle Versuche, das Baby nachzuholen scheitern. Post an Annes Eltern kommt ungeöffnet zurück. Annes Eltern behalten Inga. Anne sieht ihr Baby nie wieder. Sie versucht, die Ereignisse zu verarbeiten, indem sie darüber schreibt und besucht an der Universität einen Kurs in kreativem Schreiben bei Professor Robert von der Mühle. Aber Anne kann mit dem Verlust ihres Kindes nicht leben, sie wird depressiv, versucht Selbstmord zu begehen und kommt schließlich in eine psychatrische Anstalt. Nach fünf Jahren dort gelingt es ihr in einem unbeaufsichtigten Moment Selbstmord zu begehen. Es ist das Jahr 1988.

 

2B) Schreiben Sie einen kurzen Zeitungsartikel über Ingas Geschichte.

 

3B)  In Ingas Leben ist mit Roberts Ankunft etwas „Unvorhergesehenes“

       passiert, das Ingas Leben von Grund auf verändert. Tauschen Sie sich aus:

       Was ist das „Unvorhergesehene“, das in Roberts Leben passiert?

 

4B) Die Beziehungen zwischen den Personen  drückt sich im Film nicht nur

       durch Dialoge aus sondern besonders durch die Anordnungen der Figuren

       im Bild und wie sie aufgenommen werden. Vergleichen Sie folgende

       beiden Fotos

       (Fotos von Robert mit Inga im Hintergrund und von Alexander mit Inga im

       Hintergrund aus der Didaktisierung unter www.novemberkind.de für

        Deutschlehrer für deutsche Muttersprachler)

 

      

 

 

        Was ist gleich in der Art, wie die Personen fotografiert sind?

        Wie lenkt der Regisseur in der Aufnahme unseren Blick?

       

 

 

        Im ersten Bild stellt Inga Robert die Frage „Warum bist du

        mitgekommen?“  

        Im zweiten Bild sagt Inga Alexander, dass sie aus Malchow kommt.

        Wie ähnelt sich das Verhalten der beiden Männer im Film?

   

 

 

5B) Sehen Sie sich folgendes kurzes Interview auf der DVD („Making of...“)

      mit Christian Schwochow an.

      Was sagt Schwochow – zu welchem Thema wollte er einen Film machen?

      Welcher Gedanke steht hinter dem Film von „Novemberkind“?

 

  

 

Gruppenarbeit A

 

1A) Noch ziemlich am Anfang des Films kommt es zu folgendem Dialog:

   

Robert: „Hätten Sie Lust auf einen Ausflug, vielleicht morgen?“

Inga: „Blühende Landschaften gucken? Warum nicht.“

 

(Anmerkung: Der bundesrepublikanische Kanzler zur Zeit der Wende war Helmut Kohl. Er versprach damals, dass es im Osten 10 Jahre nach der Wende überall „blühende Landschaften“ geben würde. Damit war nicht die Natur gemeint sondern Wirtschaft, Industrie, Arbeitsplätze, Wohlstand für alle)

 

Später stellt sich Inga gemeinsam mit Robert vor, wie Anne an Alexanders Seite wohl im Westen lebt: Sie hat ein bequemes Leben als Hausfrau, die sich die Zeit mit Yoga und Töpferkursen vertreibt. Daraufhin kommt es zu folgendem Dialog:

 

Robert (sarkastisch):

„Ist doch ein super Aufstieg für eine Frau, die aus so einem dunklen Land kommt, mit tiefgrauen Häusern, todtraurigen Menschen. Bei uns ist nämlich alles hell und freundlich, weißt du? Und das ganze Jahr Apfelsinen.“

 

Inga: „Da hab ich echt was versäumt.“

  

Tauschen Sie sich gemeinsam darüber aus: Worauf spielen diese Dialog-Ausschnitte an?

 

 

2A) Rollenspiel: Ziehen Sie eine Rolle

       2 Teilnehmer Ihrer Gruppe spielen nun Reporter (1+ 2) und interviewen Juri

       und den Großvater zu den Ereignissen 1978 und danach.

       Fragen Sie, warum Juri/der Großvater damals so gehandelt haben, wie sie es

       taten. Besprechen Sie sich kurz und machen Sie Notizen zu den Fragen, die

       Sie den beiden anderen stellen wollen.

 

       Die anderen zwei Teilnehmer spielen Juri beziehungsweise den Großvater.

       Überlegen Sie kurz, was damals passiert war, wie sie sich fühlten. Machen

       Sie sich dazu individuell Notizen, bevor das Interview beginnt.

 

       Tauschen Sie nun die Rollen. Die anderen beiden sind nun die Reporter und

       fragen Alexander/Robert, warum sie sich so verhalten haben, wie sie es

       taten. Besprechen Sie sich kurz und machen Sie Notizen zu den Fragen, die

       Sie den beiden anderen stellen wollen.

 

     

       Die anderen Teilnehmer sind nun Alexander oder Robert.

       Überlegen Sie kurz, was damals passiert war, wie sie sich fühlten. Machen

       Sie sich dazu individuell Notizen, bevor das Interview beginnt.

 

 

3A) Im Film sagt Inga „Die Wahrheit kann alles kaputt machen“.

       Diskutieren Sie alle gemeinsam:

       Wie hat die Wahrheit über die Menschen um Inga ihr Leben verändert?

       Ist für Inga alles kaputt gegangen oder hat sie auch etwas gewonnen?

 

 

 

 Reporter 1/später Alexander

 

 

 

 

Reporter 2/später Robert

 

 

 

 

Juri

 

 

 

 

Großvater

 

 

Gruppe B

 

1B) Am Anfang des Films sehen wir Inga ins kalte Wasser springen und dann

      auf ihrem Motorroller fahren. Am Ende des Films sehen wir, wie Inga im

      Zug sitzt und zu schreiben beginnt.

      Diskutieren sie gemeinsam: Was meinen Sie, welche Bedeutung

      haben diese Bilder für die Geschichte des Films?

     

2B) Rollenspiel: Ziehen Sie eine Rolle.

       Als die Mauer fiel, war Inga 10 Jahre alt. Stellen Sie sich vor, Anne hätte

       nicht 1988 Selbstmord begangen und Inga und ihre Großeltern hätten Anne

       damals in Süddeutschland besucht. Überlegen, notieren und spielen Sie

       gemeinsam das Gespräch zwischen Inga, Anne und den Großeltern.

 

3B) Diskutieren Sie: Warum trägt der Film wohl den Titel „Novemberkind“?

   

 

 

Anna

 

 

Inga

 

 

 Großvater

 

 

Großmutter