Der Volksaufstand des 17. Juni 1953.

Einleitung:

  • Sehen Sie sich diesen Film (Wochenschau) über den Volksaufstand an.
  • Sehen Sie sich die Fotos auf dieser Seite an. Stellen Sie anhand von diesen Fotos fest, was am 17. Juni 1953  passierte. (Wenigsten fünf Begriffe oder Stichworte).

Aufgabe 1:

  • Welche Stimmung herrscht auf den Bildern?
  • Welche Zusammenhang besteht zwischen ihnen?
  • Welches Foto liegt zeitlich früher?

Aufgabe 2: Lesen Sie den Text.

  • Wieviele Personen waren an der Demonstration beteiligt?

  • Wo fanden Demonstrationen statt? Nennen Sie die Lokalitäten.

  • Was forderten die Demonstranten?

  • Was kann man aufgrund dieser Notizen über den Ablauf der Demonstrationen sagen?

Der 16. Juni 1953: Erste Demonstrationen
 

Den Funken in das Pulverfass wirft Otto Lehmann mit seinem Artikel in der „Tribüne“ vom 16.6.1953. In
ihm verteidigt er die Beschlüsse der allgemeinen Normenerhöhung als „in vollem Umfang richtig“, aufrechtzuerhalten und durchzuführen. Dieser Artikel bringt die Bauarbeiter von Block 40 der Stalinallee (und nicht nur sie) noch mehr auf. Sie beschließen, die beiden bereits am Vortage gewählten Delegierten nicht allein mit der Resolution loszuschicken, da sie sonst möglicherweise verhaftet würden. ... Einige Minuten später setzen sich die 300 Bauarbeiter von Block 40 in Bewegung. Sie führen ein schnell angefertigtes Transparent mit sich: „Wir fordern Herabsetzung der Normen“.

Der Demonstrationszug marschiert zunächst zu den anderen Baustellen der Stalinallee und deren Umgebung,
um noch weitere Kollegen für die Demonstration zu gewinnen. Wieder am Ausgangspunkt angelangt, zählt die Demonstration etwa 2000 Teilnehmer. Es geht jetzt zum Haus des FDGB-Zentralvorstandes in der Wallstraße und – als man es verschlossen findet und niemand bereit ist, mit den Bauarbeitern zu verhandeln – zum Haus der Ministerien in der Leipziger Straße . Der Zug wächst ständig an; es sind überwiegend geschlossene Belegschaften, die sich an ihm beteiligen. Vor dem Haus der Ministerien sind schließlich etwa 10 000 Demonstranten  versammelt. Sie fordern „Nieder mit den Normen“ und „Wir wollen Ulbricht und Grotewohl sehen“. Aber die beiden trauen sich nicht, mit den Bauarbeitern zu verhandeln, oder sie sind nicht anwesend. Stattdessen versucht es Minister Selbmann...

Auch Selbmann wird mit Pfiffen begrüßt. Als Ruhe einkehrt, beginnt er: ‚Kollegen.. .‘ – ‘Wir sind nicht deine Kollegen!‘ – ‘Ich bin auch Arbeiter...‘ – ‘Das hast Du aber vergessen!‘ – Lautes Gelächter. Die Versammlung nimmt den Charakter einer Volksbelustigung an. Einer ruft: ‚Du bist kein Arbeiter, du bist ein Arbeiterverräter!‘ Selbmann streckt seine Arme nach beiden Seiten aus: ‚Arbeiter, schaut meine Hände an!‘ – ‘Mensch, deine Hände sind aber ganz schön fett‘, tönt es. Wieder tolles Gelächter, Johlen und Pfeifen... ‚Verschwinden! Abtreten! Ulbricht und Grotewohl her!‘ Lange Zeit finden sich keine Redner, aber langsam, unsicher und tastend entwickeln sich politische Forderungen und Vorschläge für das weitere Vorgehen.
Eine Stunde später gibt Selbmann in einem zweiten Redeversuch bekannt, daß der Ministerrat die administrative Normenerhöhung zurückgenommen habe. Ein Bauarbeiter schiebt ihn beiseite mit den Worten, es ginge gar nicht mehr um die Normenerhöhung. Die Regierung müsse aus ihren Fehlern die Konsequenzen ziehen und zurücktreten. Er erhielt lang anhaltenden Beifall. Und wieder einige Zeit später springt ein junger Aufzugsmaschinist auf den Tisch. „Kollegen, wir warten jetzt noch eine halbe Stunde. Wenn dann Grotewohl oder Ulbricht nicht hier sind, um unsere Forderungen entgegenzunehmen, dann marschieren wir durch die Arbeiterviertel Berlins und rufen alle Kollegen zum Generalstreik zu morgen auf.“ Auch er erhält lang anhaltenden Beifall. Die Arbeiter warten nicht mehr, sie ziehen los. Sie singen alte sozialistische Arbeiterlieder, und sie finden und rufen immer neue Parolen: „Spitzbart, Bauch und Brille sind nicht des Volkes Wille“; „Freiheit“; „Nieder mit der Regierung“; „Wir brauchen keine Volksarmee“; „HO macht uns k.o.“ ; „Wir wollen Freiheit, Recht und Brot, sonst schlagen wir die Bonzen tot“.

Die Arbeiter bemächtigen sich eines Lautsprecherwagens, der die Überprüfung der Normen bekannt gibt, und verkünden damit immer wieder den Generalstreik. Alle Arbeiter, wiederholt der Sprecher permanent, sollen sich am nächsten Tag, dem 17. Juni, auf dem Straußberger Platz versammeln. Gegen 17 Uhr kommen die Bauarbeiter wieder an der Stalinallee an. Der Lautsprecherwagen wird ordnungsgemäß zurückgegeben (I). Die Arbeiter gehen nach Hause.
aus: Axel Bust-Bartels, Der Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953

  • Welche der folgenden Adjektive kennzeichnen die Emotionen und Verhaltensweise
    der Demonstranten. Nennen Sie die entsprechenden Textstellen.

Aufgabe 3:

  • Welche Szenarien zur Lösung eines Volksaufstandes könnten Sie sich vorstellen?

  • Lesen und interpretieren Sie das Gedicht "Lösung" von Brecht. Für wen ergreift Brecht hier Partei? Wie stellt er sich die Lösung vor? (Begründe mit Wörtern aus dem Text.)

 

Die Lösung

Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, dass das Volk
Das vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
Zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

B. Brecht

Aufgabe 4:

  • Suchen Sie auf der Seite "Deutsche Geschichten" zwei Berichte auf, zum Hören oder zum Lesen (treffen Sie eine Wahl) und fassen Sie zusammen wie der Aufstand verlief (Ursache, Verlauf, Folgen).

Aufgabe 5:

  • Besuchen Sie in Bonn das (virtuelle) Museum das Haus der Geschichte. Welche fünf zu dieser Periode passende Exponate finden Sie im Museum? Sind Sie sie gut gewählt? Begründen Sie.

Quellenangabe:

 

Geschichte und Landeskunde im Deutschunterricht (B. Helmling, Goethe Institut Paris 1993).

Erlebnis Geschichte (das Buch zur Ausstellung HdG, 2000).

Boterman, F., Moderne geschiedenis van Duitsland, Amsterdam: Arbeiderpers 2005.

 

Wichtige Links:

http://www.hdg.de/lemo/home.html

http://www.deutschegeschichten.de/